Archiv der Kategorie: Tafsîr (Qur’ân-Interpretation)

Die Erläuterung der Âyah 2 und 3 der Sûratu t-Talâq

 

 

 

 

 

 

 

Diener Gottes, ich ermahne euch und mich zur Rechtschaffenheit.

Allâhu Ta^âlâ sagt in der Sûrah at-Talâq, Âyah 2 und 3:

﴿وَمَن يَتَّقِ اللَّهَ يَجْعَل لَّهُ مَخْرَجًا وَيَرْزُقْهُ مِنْ حَيْثُ لا يَحْتَسِبُ وَمَن يَتَوَكَّلْ عَلَى اللَّهِ فَهُوَ حَسْبُهُ إِنَّ اللَّهَ بَالِغُ أَمْرِهِ قَدْ جَعَلَ اللَّهُ لِكُلِّ شَىءٍ قَدْرًا﴾

Die Bedeutung lautet:

{Und derjenige, der Gottesfürchtig ist, dem beschert Allâh einen Ausweg aus seiner Angelegenheit und beschert ihm aus Quellen, mit denen er nicht rechnet; und wer auf Gott vertraut, dem genügt Er; wahrlich, es geschieht nur das, was Allâh will, Allâh hat alles vorherbestimmt}.

Brüder im Islam, Ahmad überlieferte in seinem „Musnad“ und al-Hâkim überlieferte in seinem Werk „al-Mustadrak“ über Abû Dharr, dass er sagte: „Der Gesandte Gottes rezitierte vor mir die Âyah {وَمَن يَتَّقِ اللَّهَ يَجْعَل لَّهُ مَخْرَجًا} bis er die Âyah beendete und daraufhin sagte:

„يَا أَبَا ذَرٍّ لَوْ أَنَّ النَّاسَ كُلَّهُمْ أَخَذُوا بِهَا لَكَفَتْهُم“

Die Bedeutung lautet: „O Abû Dharr, wenn alle Menschen nach dieser Âyah handeln würden, dann würde sie ihnen genügen, um ihre Ziele auf der Welt und im Jenseits zu erreichen“.

Darauf rezitierte der Gesandte ﷺ diese Âyah erneut und wiederholte sie.“

Die Gottesfurcht bedeutet, alle Pflichten zu verrichten und alle Sünden zu unterlassen. Der Gefährte Ibn ^Abbâs sagte: „Wer Gottesfürchtig ist, Allâh rettet ihn auf der Welt und im Jenseits.“

Die Gottesfurcht ist somit ein Grund für die Auflösung des Kummers auf der Welt und im Jenseits und ein Grund für die Versorgung und das Erreichen eines höheren Ranges. Die Sünden aber sind ein Grund für die Verwehrung auf der Welt und im Jenseits, denn der Gesandte Gottes ﷺ sagte:

„إِنَّ الرَّجُلَ لَيُحْرَمُ الرِّزْقَ بِالذَّنْبِ يُصِيبُهُ“

Die Bedeutung lautet: „Der Person wird die Versorgung, aufgrund ihrer begangenen Sünden, verwehrt“.

Einige Gelehrte sagten, dass der Person dadurch weltliche Versorgung verwehrt wird, wie die Gesundheit des Körpers, das Vermögen oder dass der Segen in seinem Vermögen ausbleibt oder dass die Feinde des Menschen seinen Besitz ergreifen. Es kann auch geschehen, dass die Person sündigt und dies dazu führt, dass ihr Wert in den Herzen anderer sinkt oder dass die Person das Wissen vergisst. Sogar sagte jemand: „Ich erkenne, wozu meine Sünden mich führten, am schlechten Verhalten meines Esels.“ Ein anderer sagte: „Ich erkenne es an der Veränderung der Situation und der Entfernung der Brüder von mir.“

Bruder im Islam, unterlasse keine Pflicht, welche auch immer sie ist, und begehe keine Sünde, gleich, ob sie klein oder groß sein sollte. Fürchte darin nicht die Veränderung deiner Situation, sondern verlasse dich auf Allâh, denn es ist so, wie Allâhu Ta^âlâ sagt:

{وَمَن يَتَوَكَّلْ عَلَى اللَّهِ فَهُوَ حَسْبُهُ}

Die Bedeutung lautet: {Und wer auf Gott vertraut, dem genügt Er}.

Liebe Brüder, das Vertrauen auf Gott bedeutet das Verlassen mit dem Herzen auf Gott, dem Einzigen, weil Er – der Erhabene – der Schöpfer von allem ist, der Schöpfer des Nützlichen und des Schädlichen und von allen anderen Geschöpfen. Dies bedeutet, dass nichts und niemand außer Allâh den Schaden und den Nutzen erschafft. Wenn der Diener Gottes dieses glaubt und sich im Herzen stets daran erinnert, dann verlässt er sich auf Allâh in der Versorgung und dem Schutz vor dem Schaden und unterlässt das Begehen von Sünden und insbesondere in schwierigen Situationen. Der Imâm Ahmad und andere überlieferten, dass ^Umar Ibn al-Khattâb sagte: „Ich hörte den Gesandten Gottes sagen: Wenn ihr auf Allâh vollkommen vertraut, dann versorgt Er euch, wie Er den Vogel versorgt. Dieser fliegt zu Tagesanfang fort, während er keine Nahrung im Magen hat, und kehrt mit gefülltem Magen zum Nest zurück.“

Liebe Brüder, das Vertrauen auf Allâh widerspricht nicht dem Handeln entsprechend den Gründen, denn im Sahîh Ibn Hibbân wurde überliefert, dass ein Mann den Propheten ﷺ fragte: Soll ich mein Kamel nicht angebunden lassen und auf Allâh vertrauen? Der Gesandte Gottes ﷺ sagte:

„اعقِلْهَا (أَىِ ارْبِطْهَا) وَتَوَكَّلْ“

Die Bedeutung lautet: „Binde es an und vertraue auf Allâh“.

Der Imâm al-Bayhaqiyy überlieferte im Buch „Schu^ub al-´Îmân“ über den großen Sûfiyy al-Djunayd al-Baghdâdiyy, dass dieser sagte: „Das Vertrauen auf Allâh bedeutet nicht den Erwerb und auch nicht das Unterlassen des Erwerbs; das Vertrauen auf Allâh geschieht im Herzen.“

Im Allgemeinen bedeutet das Vertrauen auf Allâh, die Ergebenheit zu Allâh und das Vertrauen auf Ihn, mit dem Handeln entsprechend den Gründen. Imâm al-Bayhaqiyy überlieferte in seinem Werk „Schu^ub al-´Îmân“, dass einige sagten: „Erwerbe äußerlich (mit deinem Körper) und vertraue auf Allâh innerlich (mit deinem Herzen), denn der Diener, der erwirbt, verlässt sich nicht auf seinen Erwerb, sondern auf Allâh, den Erhabenen.“

Allâh, der Erhabene, sagt im edlen Qur’ân in der Sûrah at-Talâq, Âyah 3:

{وَمَن يَتَوَكَّلْ عَلَى اللَّهِ فَهُوَ حَسْبُهُ إِنَّ اللَّهَ بَالِغُ أَمْرِهِ قَدْ جَعَلَ اللَّهُ لِكُلِّ شَىءٍ قَدْرًا}

Der Teil der Âyah {إِنَّ اللَّهَ بَالِغُ أَمْرِهِ} bedeutet: {Wahrlich, es geschieht nur das, was Gott will}. Und der Teil der Âyah {قَدْ جَعَلَ اللَّهُ لِكُلِّ شَىْءٍ قَدْرًا} bedeutet: {Allâh hat alles vorherbestimmt}. Allâh hat den Geschöpfen Fristen bestimmt, die sie erreichen werden. Diese Fristen werden weder vorverlegt noch hinausgeschoben. Sowohl der Tote, der ermordet wurde, als auch der Tote, der durch einen Unfall starb, und auch der Tote, der in seinem Bett starb, sind entsprechend der Frist gestorben, die Gott ihnen bestimmte. Es gibt keinen, der vor der Frist, die Gott ihm bestimmte, sterben würde.

Allâh, der Erhabene, sagt in der Sûrah al-‘A^râf, Âyah 34:

{فَإِذَا جَاءَ أَجَلُهُمْ لاَ يَسْتَأْخِرُونَ سَاعَةً وَلاَ يَسْتَقْدِمُونَ}

Die Bedeutung lautet: {Und wenn ihre Zeit gekommen ist, dann können sie sie weder um eine Stunde hinauszögern noch können sie sie vorziehen}.

Allâh, der Erhabene, sagt in der Sûrah al-Hadîd, Âyah 22:

{مَا أَصَابَ مِن مُّصِيبَةٍ فِي الأَرْضِ وَلا فِي أَنفُسِكُمْ إِلاَّ فِي كِتَابٍ مِّن قَبْلِ أَن نَّبْرَأَهَا}

Die Bedeutung lautet: {Es geschieht keine Beschwerlichkeit auf Erden oder an euch, die nicht in einem Buch (verzeichnet) wäre, bevor sie in die Existenz gebracht wurde}.

Allâh, der Erhabene, sagt im edlen Qur’ân in der Sûrah an-Nisâ‘, Âyah 78:

{أَيْنَمَا تَكُونُواْ يُدْرِككُّمُ الْمَوْتُ وَلَوْ كُنتُمْ فِي بُرُوجٍ مُّشَيَّدَةٍ}

Die Bedeutung lautet: {Wo auch immer ihr euch befinden werdet, der Tod wird euch erreichen, auch wenn ihr euch in hohen Türmen befinden solltet}.

Der Imâm Ahmad überliefert in seinem Buch „al-Musnad“, dass der Gesandte Gottes ﷺ sagte:

„إِنَّ النُّطْفَةَ تَكُونُ فِي الرَّحِمِ أَرْبَعِينَ يَوْمًا عَلَى حَالِهَا لا تَغَيَّرُ فَإِذَا مَضَتِ الأرْبَعُونَ صَارَتْ عَلَقَةً ثُمَّ مُضْغَةً كَذَلِكَ ثُمَّ عِظَامًا كَذَلِكَ فَإِذَا أَرَادَ اللهُ أَنْ يُسَوِّيَ خَلْقَهُ بَعَثَ إِلَيْهَا مَلَكًا فَيَقُولُ الْمَلَكُ الَّذي يَلِيهِ أَيْ رَبِّ أَذَكَرٌ أَمْ أُنْثَى أَشَقِيٌّ أَمْ سَعِيدٌ أَقَصِيرٌ أَمْ طَوِيلٌ أَنَاقِصٌ أَمْ زَائِدٌ قُوتُهُ وَأَجَلُهُ أَصَحِيحٌ أَمْ سَقِيمٌ قَالَ فَيَكْتُبُ ذَلكَ كُلَّهُ

Die Bedeutung lautet: Gewiss, die Samenflüssigkeit bleibt für 40 Tage in der Gebärmutter der Frau in der Form einer Nutfah unverändert und dann, wenn die vierzig Tage verstrichen sind, wird es (für weitere 40 Tage) zum ^Alaqah (Blutklumpen) und dann, nach ebenso langer Zeit, zur Mudghah (Fleischklumpen) und nach weiteren 40 Tagen bekommt es Knochen.

Und wenn Allâh diesem eine Form bestimmte, dann sendet Er diesem einen Engel, der dann bei diesem sagt: O Gott, ist es männlich oder weiblich? Ist es glückselig oder unglückselig? Ist seine Versorgung gering oder viel, ist sein Leben kurz oder lang und ist er gesund oder krank? Der Prophet ﷺ sagte weiter sinngemäß: Somit wird all dies niedergeschrieben.

Daraufhin sagte ein Mann: „Warum dann die Verrichtung der Taten, obwohl dies alles vorherbestimmt wurde?“

Der Gesandte Gottes sagte:

اعْمَلُوا فَكُلٌّ سَيُوَجَّهُ لِمَا خُلِقَ لَهُ“

Die Bedeutung lautet: „Verrichtet die Taten, denn jeder wird zu dem geleitet, wozu er erschaffen wurde“.

Das Ende und der Ausgang sind uns verborgen und unsere Taten sind Zeichen, die den Zustand der Person aufzeigen. Doch das Ende ist uns verborgen. So bemühe dich, o mein Bruder, und strenge dich in der Verrichtung der guten Taten an und vertraue dabei auf Allâh, den Erhabenen. Vernachlässige nicht das Bemühen! Wenn du somit Gutes an dir erkennst, dann danke Allâh dafür. Bleibe in der Verrichtung des Guten standhaft und vermehre es. Und wenn du anderes an dir erkennst, so fürchte Allâh und sei rechtschaffen. Bessere deinen Zustand, bevor es zu spät ist und bevor die Reue dir nicht mehr nutzen wird.

Wir bitten Allâh, uns unsere Zustände zu bessern, uns eine gutes Ende zu bescheren und uns im Jenseits zu den Gewinnern gehören zu lassen.